Nach 30 Jahre zurück in die Heimat – meine Reise nach Hause

«Meine Mama hat mir beigebracht, meinen Nächsten zu lieben und die fürsorgliche Ader ist eins der wertvollsten Veranlagungen, die ich von ihr geerbt habe».

Ich heisse Julia Wickart bin 32 Jahre alt, lebe in Bern und entstamme der Reihe der 6 Wickart-Kinder von Brigitte und Jean Wickart. Seit 3 Jahren bin ich Kitaleiterin und habe kürzlich eine Weiterbildung zur Eidg. Führungsfachfrau abgeschlossen.

Als Zweitjüngste und letztes von 4 Mädchen, bin ich wohlbehütet und mit den Vorzügen, jedoch nicht immer einfachen Zuständen einer Grossfamilie im schönen Seeland (Kanton Bern) aufgewachsen.

Als meine Mutter alleine mit 6 Kleinkinder die Reise von Kongo-Kinshasa nach Erlach (BE) Schweiz auf sich nahm, war ich zarte 2 Jahre alt. Was uns zu diesem einschneidenden und schicksalsverändernden Reise bewog, war Mobutus Sturz und die damit verbundenen inneren Unruhen zu Beginn der 1990er Jahren aber auch der Wunsch der Familienzusammenführung – mein Vater lebte damals bereits in der Schweiz.

Soviel zu meinem Weg in die Schweiz. Was danach geschah war unspektakulär. Ich habe mich wunderbar integriert und mit der Schweiz eine Heimat gefunden, welche ich von Herzen liebe und mir viel Geborgenheit gibt. Berner-Rösti und Spiegeleier sind mein liebstes Gericht, ich mag Käse, fahre im Winter Snowboard, verbringe im Sommer viel Zeit an der Aare und denke in Schweizerdeutsch.

Was jedoch im letzten Dezember 2020 geschah, hat mein Leben tiefgründig verändert. Nach 30 Jahren ging ich zurück «nach Hause» in meinen Geburtsort – meine « andere Heimat».

Wie ihr euch vorstellen könnt war die Aufregung, die aufgeladenen Emotionen, Erwartungen und Ängste gross. So auch der Kulturschock im ersten Moment J! Überwältigt von den vielen Eindrücken, den Gerüchen, der Gelassenheit der Menschen, der Freude und Herzlichkeit wieder gefundenen Familienmitgliedern, den atemberaubenden Situationen des Strassenverkehrs usw. Ich kam kaum aus dem Staunen heraus. Gleichzeitig beschäftigte mich immer wieder die Frage «was wäre aus mir geworden, wenn wir nicht in die Schweiz ausgewandert wären? Mir wurde schnell bewusst, wie viel Glück ich in meinem Leben habe und wie privilegiert ich aufwuchs.

Stark geprägt hat mich auf meiner Reise auch die Schule Ekimeli. Ich war vom ersten Moment an begeistert, als mir Mama erzählte, was auf unserem Grundstück in Kasangulu mit der Schule geschieht und was ihre Pläne mit der NGO sind. Als sie es auch noch realiserte und tatsächlich eine Hilfsorganisation gründete, war ich unglaublich stolz auf sie. Damit konnte sie ihre Grossartigkeit und Authentizität mir einmal mehr beweisen. Trotzdem hatte ich nie das Bedürfnis, mich aktiv zu beteiligen. Ich unterstütze sie zwar bei Events wollte mich aber nicht richtig reinstürzten.

Mit meinem pädagogischen Augenmerk und der ständig rückkehrenden Frage «wie hätte mein Leben, meine Kindheit in Kasangulu ausgesehen»? – kam mein Interesse, Vorort mehr über die Schule und die Bildung zu erfahren. Daher suchte ich den direkten Kontakt mit Herr Obed Kawunga (Schuldirektor von der Ekimeli Schule). Wie ein Kleinkind, welches ihre neue Welt zu verstehen versucht, konnte ich alle an der Schule beteiligten Personen mit Fragen durchlöchern und ausquetschen. Dies war äusserst informativ, hat mir aber vor allem einen tiefen Einblick und eine neue Sicht von Menschenliebe und Humanität aufgezeigt.

Ich verstehe nach dieser Reise wie privilegiert wir leben, wie viel Glück ich und du in unserem Leben haben und wie wichtig es ist «wirklich» zu helfen. Nun weiss ich, wie viel ich mit sehr wenig geben kann. Diese Erkenntnis musste ich selbst gewinnen – dafür reichte Mama’s Vormachen nicht.

Ich fühle mich heute beschenkt, diese Erfahrung gemacht zu haben. Die Schule gesehen zu haben, die Menschen erlebt zu haben und nicht zuletzt die grossartige und ehrenwerte Arbeit des Ekimelis-Teams Schweiz klarer zu sehen. All dies hat mich dazu bewegt, offiziell ein neues Vorstands-Mitglied von Ekimeli zu werden.

Herzlichen Dank an Oded Kawunga -Schuldirektor der Schule Ekimeli in Kasangulu. Einen unglaublich genügsamen, gutmütigen und ehrenhaften Mann.

Danke Mama – Präsidentin und Gründerin der Schule Ekimeli in Kasangulu. Eine wunderbare und unglaublich starke Frau – mein Vorbild.

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